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Deutsche Fotografie





Ottmar Anschütz, Störche bei Berlin, 1884




Max Ehlert, Schlußfeier der Olympiade Berlin, 1936




Robert Lebeck, Heimkehrer in Friedland, 1975
Deutsche Fotografie
Macht eines Mediums 1870-1970






Obwohl sich der Titel Deutsche Fotografie wie eine Behauptung ausnimmt, ist er als Frage gemeint: Gibt es überhaupt so etwas wie eine deutsche Fotografie angesichts der vielen Einflüsse, denen Deutschland in diesem Jahrhundert ausgesetzt war? Dieser Frage geht die Ausstellung anhand einer umfangreichen Darstellung von Werken deutscher Fotografen des 20. Jahrhunderts nach. Rund 400 Arbeiten von 150 Fotografen aus den Bereichen Architektur, Kunst, Bildjournalismus, Mode, Design und Werbung geben einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung bis 1970.

In der Ausstellung ist die deutsche Fotografie zwischen 1870 und 1970 in vier Epochen gegliedert: Zwischen 1870 und 1918 entwickelt sich das Medium Fotografie zum Massenmedium. Die Illustrirte Zeitung erscheint 1884 in Leipzig erstmals mit gedruckten Fotografien, und in rascher Folge werden weitere Zeitschriften gegründet. Zu den großen Blättern zählten u.a. Welt im Bild, die Deutsche Illustrierte Zeitung und die Berliner Illustrirte Zeitung. In der folgenden Zeit kommt der Fotografie eine immer wichtigere Rolle bei der Informationsvermittlung zu, und sie liefert vielen Menschen erste Eindrücke von fernen Ländern und den bedeutenden Bauwerken der Welt. Parallel dazu entwickeln sich die ersten Ansätze zu einer künstlerischen Fotografie.

1918 - 1929
Der zweite Abschnitt der Ausstellung ist geprägt durch fotografische Experimentierfreude. Die besondere Situation Deutschlands nach dem verlorenen Krieg schuf ideale Voraussetzungen. Angeregt u.a. durch Künstler und Fotografen der bedeutenden Gestaltungsschulen wie dem Bauhaus in Dessau, beginnt die Fotografie, sich als Teil der modernen Avantgarde zu verstehen. Die Ausstellung Film und Foto des Deutschen Werkbundes 1929 in Stuttgart, die historisch bereits als Retrospektive zu werten ist, schließt diese Zeit ab.

1930 - 1945
Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise endet die Zeit der experimentellen Fotografie; eine Phase der Resignation setzt ein, und von dort ist es nur ein kleiner Schritt zum vorauseilenden Gehorsam gegenüber der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Nazis erkannten in der Fotografie ein wichtiges Propagandamedium. Es konnte um seine Wirkung zu steigern auf alle modernen Gestaltungsmittel zurückgreifen.

1945 - 1970
Die bildnerischen Mittel, die bereits vor dem Krieg existierten und die bis 1945 weiterbestanden, werden auch in dieser Zeit angewendet. Die Fotografen der Besatzungszonen und beider deutscher Staaten halten fest, was sie bewegt. Eigene Gestaltungsformen entwickeln nur wenige, und diese entstehen im Vergleich zu ihren Kollegen aus anderen Ländern mit großer Verspätung. Erst mit der ersten Präsentation der 'subjektiven Fotografie' ändert sich dies. Im Westen gerät die Fotografie allmählich unter den Einfluß der Kunst. Ein politisch motiviertes Festhalten an den Traditionen der Arbeiterfotografie ließ hingegen die DDR-Fotografie erst viel später zu einer eigenen Form finden. Um 1970 wandelt sich die Fotografie grundsätzlich und weltweit, sowohl in Hinblick auf die medialen Rahmenbedingungen als auch auf die künstlerische Gattung selbst. Fernsehen, Video und Computer lassen ihr visuelles Informationsmonopol an Bedeutung verlieren. Andererseits ist das Medium nun endgültig zur anerkannten Kunstgattung avanciert.

Ausstellungsbegleitend erscheint ein Katalogbuch, das neben der umfangreichen systematischen Aufarbeitung der deutschen Fotografiegeschichte durch namhafte Historiker und Fotoexperten auch die ästhetische Komponente der Fotografie behandelt.

Anläßlich der Ausstellung veranstaltet das Forum der Kunst- und Ausstellungshalle in Zusammenarbeit mit den Ausstellungskuratoren vom 4. bis 6. Juli 1997 ein ergänzendes Symposium. Die Veranstaltung nimmt die Frage nach der deutschen Fotografie auf, die von der Ausstellung gestellt wird, und geht ihr vor allem unter drei Gesichtspunkten nach. Erstens lädt sie prominente Fotointeressierte ein, über mögliche Besonderheiten der deutschen Fotografie nachzudenken. Was ist, in ihren Augen, die "deutsche Fotografie"? Zweitens befaßt sie sich mit den Bedingungen, unter denen heute über "deutsche Fotografie" gesprochen werden kann. Theoretische Erläuterungen, beispielsweise über die Zukunft des Mediums Fotografie, und Stellungnahmen von Sammlern, Kuratoren oder Galeristen zu ihrem Umgang mit der deutschen Fotografie sollen zu diesem Verständigungsversuch beitragen: Wie wird deutsche Fotografie gesammelt, gehandelt oder präsentiert? Schließlich wird die Entwicklung der zeitgenössischen Fotografie in Deutschland seit den siebziger Jahren betrachtet. Dieser Rückblick auf die Tendenzen der jüngsten Vergangenheit ist mit der Schlußdiskussion zwischen Fotografinnen und Fotografen aus der Bundesrepublik verbunden, die nach dem aktuellen Selbstverständnis und den Zukunftsaussichten deutscher Fotografie an der Schwelle zum 21. Jahrhundert fragt. Informationen: Telefon 0228 / 9171-236.

Ausstellungskuratoren:
Klaus Honnef
Rolf Sachsse

Uhr
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RealVideo G2
Quicktime Movie(1,4 MB, 53 sec., ohne Ton)

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Der Katalog

email: Madeline Ferretti, Projektleiterin

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Deutsche Fotografie Symposium
 

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