| 7. März bis 27. April 1997 Ulrike Rosenbach Im Palast der neugeborenen Kinder Mit der Videoinstallation "Im Palast der neugeborenen Kinder" realisiert Ulrike Rosenbach ihre neueste Arbeit, die sie speziell für den MedienKunstRaum der Kunst- und Ausstellungshalle konzipiert hat. Durch einen engen Eingang betritt der Besucher einen langgezogenen achteckigen Raum, dessen Seiten vollständig aus Videoleinwänden bestehen. Von den Projektionsflächen blicken die Bilder überlebensgroßer Kinder herab, die sich in einem langsamen Wiegetanz hin und her bewegen und den Betrachter mit ihrem Reigen umschließen. Die Porträts der Kinder wirken ernst, wie aufgebläht, ja fast gigantisch, und haben eine beängstigende Ausstrahlung. Diese Wirkung wird durch eine Tonkomposition aus einem monotonen, tiefen Herztonrhythmus und elektronisch verzerrten Kinderstimmen unterstrichen. An der schmalen Stirnseite des achteckigen Projektionsraums schwebt das Bild eines Computermonitors, auf dem die Handflächen von Kindern erscheinen und stetig mit den Worten "Lifechecker", "Lifesaver", "Liferunner" kommentiert werden. Das gigantische Ensemble aus bewegten Bildern stellt den Betrachter hilflos einer kindlichen Gewalt gegenüber, die gleichsam wach und mit statischer Ausstrahlung ihre junge Macht demonstriert. In dem engen Bildraum der begehbaren Installation konfrontiert uns die Künstlerin mit einer Zukunftsvision von Kindern, die halb Mensch und halb als Android erscheinen. Scheinbilder einer Welt, die ein Spiegel des zerrissenen inneren Zustands unserer Gesellschaft sind. Die Kinder als Metapher für Zukunft und hoffnungsfrohen Neubeginn werden durch die Form der Inszenierung hinterfragt und zu ungewissen Trägern eines zukünftigen Weltentwurfs. Nach der Installation "Über den Tod" von 1995 führt Ulrike Rosenbach mit dieser neuen Installation eine Reihe über die elementaren menschlichen Seinszustände fort. Biographie Ulrike Rosenbach wurde 1943 in Salzdetfurth geboren. Sie studierte 1964 - 1969 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste, Düsseldorf und war Meisterschülerin von Joseph Beuys. Bereits 1972 schuf sie ihre ersten Videoarbeiten und verband besonders in dieser frühen Phase das Medium Video mit Performances und Aktionen. Zwischen 1973 und 1976 erhielt sie einen Lehrauftrag am California Institute for Arts, Valencia, sowie ein Arbeitsstipendium bei "Western Front", Vancouver. Seit 1989 ist sie Professorin für Neue Medien an der Hochschule für Bildende Künste Saar, Saarbrücken. Ulrike Rosenbachs Arbeiten wurden international in verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Stationen der letzten Jahre sind unter anderem die documenta 6 und 8, das Longbeach Museum of Art mit "The first generation" (1993), das Kunstmuseum Basel mit "Kunst nach 1968" (1993) sowie die internationale Wanderausstellung IFA-Galerie, Stuttgart, mit "Videoskulptur in Deutschland" (1994). Zudem hat sie für das benachbarte Haus der Geschichte in Bonn 1993 eine große Auftragsarbeit für die permanente Videowand realisiert. Ulrike Rosenbach gilt als eine der wichtigsten deutschen Künstlerinnen im Bereich der Medienkunst und hat mit ihrer Arbeit entscheidende Akzente für eine feministische Position in der Kunst gesetzt. Sie erhielt 1996 den Staatspreis des Saarlands für ihr Lebenswerk. Ulrike Rosenbach lebt und arbeitet im Saarland und in Köln. ![]() Quicktime Movie 39 sec 5 fps 192x144 pixel ohne Ton 1,6 MB email: Axel Wirths, Kurator |
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