ausstellungenorange


Future Garden - Teil 1


 ©




 ©
"Chronisten von gestern - Propheten von morgen"
(Lucie Schauer)

Das amerikanische Künstlerehepaar Helen Mayer Harrison (* 1929) und Newton Harrison (* 1932) hat seit Ende der sechziger Jahre die Ökologie zum zentralen Thema seiner künstlerischen Arbeit gemacht. Sie zählen zu den Pionieren der Umweltkunst. Mehr als 40 gemeinsame Werke zu globalen und nationalen ökologischen Problemen sind seitdem entstanden. Neben ihrer Professur an der School of Visual Arts der University of California in San Diego beteiligen sie sich an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland, zum Beispiel 1987 an der documenta 8, 1993 erarbeiteten sie einen Vorschlag zur Erneuerung eines Braunkohleabbaugebietes in Bitterfeld und das Projekt EUROPA für die in Hannover stattfindende Expo 2000.

Statement der Künstler

Die Ausstellung Future Garden. Teil l: Die gefährdeten Wiesen Europas ist eine Erzählung, eine Folge von Geschichten über diese Wiesen. Sie ist aber auch eine repräsentative Skulptur, ein sich ständig veränderndes, lebendiges Farbenfeld, das sich über 3.600 Quadratmeter in der Dachmitte der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland ausbreitet. Ziel das Projektes ist es, das Dach in ein Feld zu verwandeln, auf dem sich ein komplexes Schauspiel vollzieht. Am Anfang dieses Schauspiels stand der Entschluß, eine 400 Jahre alte Wiese aus der Eifel zu retten und auf das Dach umzubetten, anstatt zuzulassen, daß sie zerstört und durch ein Wohnungsbauprojekt ersetzt wird. Dieser Entschluß gibt den Grundton vor. Im folgenden werden Segmente anderer gleichfalls gefährdeter Wiesen - einer Feuchtwiese, einer Trockenwiese und einer Steinwiese- zu einem vielgestaltigen Ensemble zusammengestellt. In einer Reihe von Gesprächen zwischen den Künstlern, den Wissenschaftlern und den sogenannten Wiesenmeistern werden Geschichte und kulturelle Funktion von Wiesen erzählt. Fotografische Abbildungen von Wiesen aus anderen Teilen Europas und von bestimmten Umzäunungsformen stehen einander gegenüber, verbinden sich miteinander und führen so das Schauspiel vor - ein Schauspiel, das sich beim Umwandern der Wiese, beim gemächlichen Spazieren entfaltet. Diese ökologische 'Erzählung' verleiht einem einzigartigen Element innerhalb der europäischen Kulturlandschaft Ausdruck. Die Wiesengebiete Europas stellen ein aus ökologischer Sicht relativ neues Phänomen dar. Sie haben sich über mehrere Jahrhunderte hin als Ergebnis von Waldrodungen entwickelt und werden als Weideland fiir das Vieh und/oder durch die jährliche Heuernte in ihrer gegenwärtigen Gestalt erhalten. Diese Art von Nutzbarmachung ist ein Beispiel fiir das spontane und lohnende, wenngleich unbewußte Zusammenwirken von Mensch und Natur. Mähen und Abgrasen machen die europäische Wiese zu einem äußerst komplexen, stabilen Ökosystem und dadurch zu einem der erfolgreichsten langfristigen Gemeinschaftsprojekte zwischen dem Menschen und dem übrigen Ökosystem. Das intakte Ökosystem Wiese bildete die Lebensgrundlage von Mikroorganismen, wirbellosen Tieren und Insekten, verschiedenen Pflanzenarten, Reptilien, Amphibien, Säugetieren und Vögeln. Dem Vieh diente die Weise als Weide, die Bauern mähten das Gras und trieben die Kühe auf. Durch die jährliche Heumaht wurde das System aufrechterhalten und der natürliche Waldnachwuchs verhindert. Auf diese Weise trugen alle Kräfte zum Gleichgewicht und zur Stabilität diese spezifischen Ökosystems bei. Hier bewirkte die Ernte den Erhalt zweier Systeme, eines kulturellen und eines ökologischen, die einander zu gegenseitigem Wohl verhalfen. Dieses bemerkenswerte Element innerhalb einer Kulturlandschaft ist in vielen Teilen Europas durch übermäßiges Mähen, Abweiden und maschinellen Landbau gefährdet, wodurch sich ein biologisch vielfältiges System nun in eine Monokultur verwandelt. Trotz ihrer Zerstörung und Verdrängung ist und bleibt die Wiese in ihrer Eigenart ein wertvolles Modell für das Überleben in der Zukunft. Für die Künstler spricht dieses gemeinsame Modell über die Grenzen von Zeit hinweg, bietet Alternativen an, stellt Fragen und funktioniert als mögliches Modell fiir das zukünftige Zusammenwirken zwischen Mensch und Natur. Beim Nachdenken beginnen die Künstler sich einen zukünftigen Wald vorzustellen, ein zukünftiges Flußdelta, einen zukünftigen See, - sie stellen sich die europäische Monokultur als Garten der Zukunft vor, als biologisch vielfältiges System, mit der Wiese als Modell.
 
neu    inhalt    einblick    kommunikation    presse    show menu    english   




produced and copyright by kunst- und ausstellungshalle der bundesrepublik deutschland