ausstellungenenglish

 

 
zur Vergrößerung

Plakatgestaltung unter Verwendung des Objekts
"Rennende Schere", 1996
Foto: Dirk Masbaum, Hamburg


zur Vergrößerung


Leidenschaft ist unser Antrieb
1999
Foto: Dirk Masbaum


zur Vergrößerung

Ohne Titel
[Mönchengladbach 1992]
1992
Foto: Wolfgang von Contzen,


zur Vergrößerung

Wochenendhaus
1967 / 1968
Foto: Dirk Masbaum
Leidenschaft ist unser Antrieb
Sigmar Polke - Die gesamten Editionen (1963 - 2000)
3. November 2000 bis 25. Februar 2001





/



Nach der erfolgreichen Retrospektive Sigmar Polke - Die drei Lügen der Malerei, die 1997 in unserem Haus stattfand, präsentiert die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, nun auf ca. 1300 Quadratmetern mit über 200 Leihgaben das gesamte graphische Werk und die Editionen Sigmar Polkes. Mit den in über dreißig Jahren entstandenen Arbeiten wird ein weiterer Schwerpunkt seines Œuvres - erstmals vollständig - vorgestellt. Die Ausstellung umfaßt Arbeiten, in denen die Experimentierlust des Künstlers die traditionelle Druckgraphik bis an die Grenzen des Genres auslotet.

Seit 1963 hat Sigmar Polke fast 150 Editionen produziert: ein breites Spektrum von Arbeiten, die in ihrer Vielfalt sein facettenreiches Schaffen umschreiben und experimentell erweitern. Versteht man unter einer ,klassischen’ Editition die mehrfache identische Reproduktion einer Vorlage, sind für Polkes Editionen besonders bezeichnend die Veränderung der einzelnen Arbeiten der Auflage, die so Unikatcharakter bekommen: Kaum eine gleicht der anderen, und wie kaum ein anderer Künstler "mischt" er sich ein, verändert und variiert er die einzelnen Blätter oder Objekte. Somit erhält seine Rolle als kritischer Zeitgeist eine Entsprechung gerade auch in der Verwendung der vielseitigen Techniken, die selten nur als einfaches reproduzierendes Medium genutzt werden.

Als revolutionär darf die häufige Verwendung des Offsetdrucks in den frühen Arbeiten gelten - in den 60er Jahren ein Verfahren, das nur von sehr wenigen Künstlern verwendet wurde und als Druckgraphik lange Zeit keine ,offizielle’ Anerkennung fand.

Erste Siebdrucke entstehen um 1970, eine Technik, die Sigmar Polke erst Ende der 80er Jahre wieder aufgreift.

Zu Beginn der 70er Jahre überträgt Polke seine eigenen Fotografien in den Offsetdruck, nachdem er zuvor Fotografien aus den gängigen Medien verwandte. Er experimentiert auch hier und beginnt, die Fotografien in der Dunkelkammer mit Licht zu überarbeiten, ein Verfahren - die sogenannte Solarisation -, bei dem der chemische Entwicklungsprozeß nach dem Entwicklungsbad unterbrochen und das Fotopapier erneut dem Licht ausgesetzt wird. Aufgrund der noch nicht erfolgten Fixierung wird das Silbernitrat in den hellen Bereichen aktiviert und durch den erneuten Belichtungsprozeß schwarz.

Später - zu Beginn der 80er Jahre - setzt Polke den chemischen Manipulationsprozeß malerisch ein. Als "Malmittel" verwendet er keine Pigmente, sondern chemische Substanzen: Variierende Fotoausschnitte werden vergrößert und nach dem Entwickeln und Wässern mit Pinsel, Entwickler und Fixierer "übermalt". Der einzelne Fotoabzug wird durch den chemisch-malerischen Eingriff somit zum Unikat. Das klassische Motiv wird ,gegenstandslos’, die chemische Reaktion tritt experimentell und spielerisch in den Vordergrund und wird zum Inhalt.

Arbeitete Polke schon immer mit dem Kopiergerät, indem er Offsetvorlagen vergrößert, somit die Rasterung verdeutlicht und neue Bildinhalte schafft, so manipuliert er zu Beginn der 90er Jahre den Kopiervorgang, indem er die Vorlage während des Belichtungsprozesses ungleichmäßig schnell bewegt, teilweise den Kopiervorgang unterbricht und neu startet. Die Darstellung wird dadurch in Streifen verzogen, und durch die rechts - links Bewegung der Kopiervorlage und die Verkippung der Darstellung über eine Achse entstehen Bewegungsdynamiken, mit denen Polke in zunehmendem Maße experimentiert. Die durch die Manipulation am Kopiergerät entstandenen Bilder werden von Polke Mitte der 90er Jahre in überarbeiteter Form - teilweise koloriert - auch als Siebdrucke herausgegeben.

Da die Grenzen des Experiments am Kopierer fast erreicht sind, ist es eine logische Konsequenz für Polke, heute die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung einzusetzen und deren Variationsmöglichkeiten auszuloten.

Diese Ausstellung war zuvor, kuratiert von Martin Hentschel, im Württembergischen Kunstverein, Stuttgart, zu sehen und wird in veränderter Form im Anschluß im Kunsthaus Zürich gezeigt werden.

In den Ausstellungsrundgang integriert ist abschließend ein "Studiolo", das den Besuchern vertiefende Angebote zur Anschauung der Ausstellungsinhalte macht. Vitrinen mit Objekten und erläuternden Texten bieten Informationen zu den druckgrafischen Techniken des Siebdrucks und Offsetdrucks, bieten die Möglichkeit selbst an einem Kopierer die Copy Art zu erproben und verdeutlichen das Prinzip der Edition und die Plakatgestaltung.



In einer Lese-Sitzecke steht Literatur zu Polke zur Verfügung. Im Studiolo wird auch eine Sammlung von Plakaten und Einladungskarten zu Polke-Ausstellungen präsentiert.


email: Susanne Kleine, Kuratorin und Projektleiterin in Bonn


 
 

neu   inhalt   einblick   kommunikation    presse   show menu   english

 

produced and copyright by kunst- und ausstellungshalle der bundesrepublik deutschland