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Sigmar Polke Die drei Lügen der Malerei Galerie (Abbildungen) Im Jahr der documenta X und der XLVII Biennale zeigt die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn in der Zeit vom 07. Juni bis zum 12. Oktober 1997 eine Ausstellung zu Sigmar Polke und setzt somit die Reihe der großen monographischen Ausstellungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts fort. Es ist die bislang umfangreichste Retrospektive, die für den in Köln lebenden Künstler ausgerichtet wird. Steht auch die Malerei im Vordergrund, so zeigt diese Ausstellung dennoch mit einer repräsentativen Auswahl von mehr als 220 Leihgaben erstmals Arbeiten aus allen Werkphasen Polkes von 1962 bis heute. Objekte, Installationen und ein großer Fotografiezyklus vervollständigen den Gesamteindruck. Neue, noch nie gezeigte Werke von 1996 und 1997 runden den retrospektiven Charakter der Ausstellung ab. Ein Portrait Sigmar Polkes zu erstellen, ihn als einen der führenden deutschen Künstler innerhalb der internationalen Kunstszene zu würdigen, der es in mehr als 30 Jahren vermocht hat, ein äußerst vielseitiges Werk aufzubauen und seine große Bedeutung für die jüngere Künstlergeneration deutlich zu machen, ist Ziel dieser Ausstellung. Sigmar Polke, 1941 in Oels/Niederschlesien geboren und mit 12 Jahren nach Westdeutschland übergesiedelt, gehört heute zu den wichtigsten Künstlern der aktuellen Kunstszene. Sein Oeuvre ist gekennzeichnet durch einen unerschöpflichen Ideenreichtum, ein komplexes Bewußtsein für die Kunstgeschichte sowie für die eigene Geschichtlichkeit als Mensch und Künstler, die Lust am Experiment und durch handwerkliches Können. Sehr früh schon setzte sich Polke mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinander, wobei er sich einer mehr oder minder verschlüsselten Ironie bediente. Wie nur wenige Künstler seiner Generation entwickelte Polke seit den 60er Jahren eine seismographische Wachheit gegenüber den wechselvollen Szenarien des öffentlichen Lebens, die er in seine Arbeit einfließen ließ. Er formulierte eine ganz eigenständige Bildsprache, die im Spiel mit Widersprüchen und Klischeevorstellungen zu humorvollen Kommentaren und Bilderrätseln führte und das humanistische und kulturkritische Ethos verdeutlicht, das die Arbeit Sigmar Polkes immer noch begleitet. Bekannt geworden ist Polke als Mitbegründer des Kapitalistischen Realismus, eine Kunstrichtung, die sich einerseits wie die Pop Art auf den Alltag bezog und andererseits als eine ironische Abwandlung des Sozialistischen Realismus verstanden werden wollte. Bilder wie Plastik-Wannen, 1964, und Der Wurstesser, 1963, zeigen den Unterschied zur Pop Art, die humorvolle Distanz und die kritische Haltung gegenüber der Warenwelt. Seine frühen - meist auf trivialen Zeitungsmotiven basierenden - Rasterbilder, wie z. B. das Bild BZ am Mittag, 1965, oder Freundinnen von 1965, sind gekennzeichnet durch die Verwendung eines eigenständigen Bildmittels, welches der Künstler noch bis heute variiert. In Arbeiten wie Carl Andre in Delft, 1968, oder auch später Sicherheitsverwahrung, 1978, sind Dekorationsstoffe als Bildträger benutzt worden, die zum Bildmotiv nobiliert werden: ein Verfahren, das Polke bis in die Gegenwart einsetzt und in aller Vielseitigkeit ausführt. Legenden, die sich um das Bild des Künstlers ranken, die Klischees, die mit der Rezeption von Kunst einhergehen, und die Intentionen und Strategien seiner Künstlerkollegen sind weitere Themen, die der Künstler gerne aufgreift. Seit den 80er Jahren interessiert sich Sigmar Polke mehr und mehr für das Experiment, die Arbeit mit unerprobten Farbstoffen, Mineralien und Chemikalien: seine Bilder werden in einen nur bedingt steuerbaren und anhaltenden Werdeprozeß involviert, der mit evolutionären Prozessen in der Natur gleichgesetzt werden kann. Sein mit hygroskopischer Farben gemaltes Wandbild im Deutschen Pavillon der XLII Biennale in Venedig 1986 gab davon eine ausgezeichnete Vorstellung. Die auf diese Weise eröffnete Möglichkeit, das Bild aus seiner einmaligen Fixierung zu entlassen, führte zu transparenten Bildern auf Polyestergewebe wie z.B. Meteor von 1989 und mündete schließlich in der doppelten Perspektive der Laterna Magica, 1988 - 1996. Die freistehenden, in eine Art Paravent eingespannten Transparente geben den Blick frei auf das gesamte 'Schwemmland' abendländischer Kultur: Märchen, Magie, Historie und Gegenwart sind hier vereint. Zugleich wendet sich der Künstler seit den 80er Jahren verstärkt den gesellschaftspolitischen Themen zu, wie der atomaren Bedrohung, dem Verhältnis von Ost und West (Aufschwung Ost, 1992) und den ethnischen Verfolgungen. Auch seine jüngsten Stoffbilder, in denen er zum ersten Mal vollständige Textilien einarbeitet, wie z.B. in Mercedes, 1994, reflektieren den gesellschaftlichen Alltag. Diese Arbeiten entstehen jedoch immer zugleich im Kontext mit scheinbar zufälligen Farbexperimenten, die darauf ausgelegt sind, den Bildträger als feststehende Einheit aufzulösen und die Bildebenen zu vervielfachen. Vom 01. November 1997 bis zum 15. Februar 1998 wird diese Ausstellung in Kooperation mit der Nationalgalerie Berlin in veränderter Form als erste Wechselausstellung im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart gezeigt. Mit der Wahl dieser beiden prominenten Ausstellungsorte wird nicht nur ein kultureller Brückenschlag zwischen der alten und neuen Bundeshauptstadt vollzogen, sondern auch eine Korrespondenz zwischen Ausstellungsort und -inhalt geschaffen: es wird der Bedeutung Polkes für die Nachkriegskunst und als aufmerksamer Kommentator der Nachkriegsgeschichte Rechnung getragen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog von ca. 370 Seiten, der neben den Abbildungen aller Exponate Beiträge von renommierten Autoren enthält. Schauen Sie sich die Ausstellung sofort
an:"Die Ausstellung in einer Minute!" RealVideo G2 Quicktime Movie Version 1: 15 fps (3.5 MB), 59 sec., ohne Ton Version 2: 6 fps (1.3 MB), 59 sec., ohne Ton Weitere RealVideo und Quicktime Filme auf unserer Movie-Seite. Meine Sicht auf Polke Sonderveranstaltungen mit Künstlern, Sammlern und Kunstvermittlern Dienstags, 19 Uhr Der Katalog email: Susanne Kleine, Projektleiterin |
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