Hochrenaissance im Vatikan

 
Rahmenprogramm zur Ausstellung
 


Antiphonar Leo X.
Rom, 1513-1521
© Biblioteca Apostolica Vaticana
Im Mittelpunkt einer jeden Ausstellung über die Kultur der Renaissance stehen natürlich die Meisterwerke, die Raffael, Michelangelo oder Bramante im Auftrag der Päpste geschaffen haben. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, daß neben Malerei und Architektur auch Literatur und Musik eine wichtige Rolle bei der Darstellung der maiestas papalis spielten. Sie sollen daher im Rahmenprogramm besonders hervorgehoben werden.

So war die päpstliche Kapelle während der Hochrenaissance die führende musikalische Institution in Europa. Die prachtvollen Notenhandschriften der Biblioteca Apostolica Vaticana werden in der Ausstellung nicht nur zu bewundern, sondern vor allem auch zu hören sein: Zahlreiche Kompositionen sind mit Unterstützung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften - Forschungsstelle Cappella Sistina - eigens für die Ausstellung neu transkribiert worden. In den drei Konzerten der Reihe Musica Vaticana erklingen sie zum ersten Mal seit mehr als 450 Jahren, dem Niveau der Kompositionen entsprechend vorgetragen von drei der weltweit führenden Ensembles für Alte Musik. Eine CD mit dem Titel Musica Vaticana, die von dem Ensemble POMERIUM anläßlich der Ausstellung eingespielt wurde, ist seit November 1998 erhältlich. Der Westdeutsche Rundfunk wird parallel zur Ausstellung eine Sendereihe mit Musica Vaticana ausstrahlen.

Welche Bedeutung die Päpste der Literatur und den humanistischen Studien beimaßen, belegt ein Ausspruch Papst Leo X. (1513 - 1521), der meinte, daß "sie nicht allein eine Zierde und Richtschnur des menschlichen Lebens, sondern jedem Stande der Gesellschaft brauchbar und in jeder Lage nützlich zu wissen sind; daß sie im Unglück uns trösten, im Glück uns erfreuen und ehren und ohne sie der Mensch allen Lebensgenusses und aller geselliger Bildung beraubt sein" würde. In Leos Diensten standen angeblich mehr als hundert Literaten. Die Literarischen Audienzen sollen allerdings nicht nur mit den vergessenen Größen der einstigen Literaturszene bekannt machen. Rom und die Renaissance inspirierte über die Jahrhunderte immer wieder: So standen die berühmten Statuen des päpstlichen Cortile delle Statue um 1800 im Mittelpunkt eines ästhetischen Streites, dessen polemische und vergnügliche Stellungnahmen in den Literarischen Audienzen zu Gehör gebracht werden. Ein weiterer Abschnitt widmet sich der modernen Literatur und ihrer bisweilen sehr freien Auseinandersetzung mit dem päpstlichen Rom der Hochrenaissance. Die musikalischen Intermezzi ergänzen die Lesungen: Papst Leo X. beschäftigte neben der offiziellen Kapelle für die päpstliche Liturgie der Capella Sistina zahlreiche musici secreti, die einst auch seine "literarischen Audienzen" belebt haben mögen.

Wir wünschen uns, daß Ausstellung und Rahmenprogramm Ihnen - ganz im Sinne Papst Leos X. - "Lebensgenuß und gesellige Bildung" bieten werden.




Mittwoch, 6. Januar
Montag, 11. Januar
Mittwoch, 20. Januar
Freitag, 5. Februar
Mittwoch, 10. Februar
Freitag, 26. Februar
Mittwoch, 3. März
Freitag, 12. März
Mittwoch, 17. März
Mittwoch, 31. März




Mittwoch, 6. Januar 1999, 19 Uhr
Literarische Audienzen
Lesungen mit musikalischen Intermezzi in der Ausstellung


Die Gegenwart der Vergangenheit
Franca Magnani
Rom - Zwischen Chaos und Wunder

Mehr als 20 Jahre berichtete Franca Magnani (1925 - 1996) als die "Stimme Italiens" für deutsche Medien aus ihrer Heimatstadt Rom und prägte das Italienbild der Deutschen. Ihre Berichte und Beobachtungen in dem posthum veröffentlichten Band Rom - Zwischen Chaos und Wunder bewegen sich zwischen Werkstätten und Palästen, Geschichte und Heute, Ghetto und Kirche. Gelesen werden Die Restaurierung des Jahrhunderts: Capella Sistina (1987) und Im Vatikan viel Neues. Zur Wahl von Papst Johannes XXIII. (1958).
Sprecherin: Agnes Pollner

André Gide
Die Verliese des Vatikans

Das Gesamtwerk des französischen Schriftstellers André Gide (1869 - 1951), Nobelpreisträger von 1947, steht neben dem der großen literarischen Innovatoren des 20. Jahrhunderts wie Marcel Proust, Robert Musil und James Joyce. Den historischen Hintergrund für seinen 1914 erschienenen Roman Die Verliese des Vatikans lieferte ein seit 1893 verbreitetes Gerücht um die angeblich von Freimaurern initiierte Gefangenschaft von Papst Leo XIII. in den Gewölben des Vatikans. Dessen Vorgänger Pius IX. hatte sich nach dem Untergang des päpstlichen Kirchenstaates 1870/71 im Zuge der italienischen Einheitsbewegung (Risorgimento) als "Gefangener im Vatikan" bezeichnet. Erst 1929 erhielt der Vatikanstaat durch die Lateranverträge seine Souveränität. André Gide verfaßte seine Verliese des Vatikans in Form einer "Sottie", einem spätmittelalterlichen Narrenspiel, als grotesk-satirischen Familienroman. Es werden Auszüge aus dem Roman gelesen, von dem Heinrich Mann sagte: "Was mich entzückt, sind die so wahren wie kunstreichen Übergänge des Spiels zur Tiefe, des Spottes zur Zärtlichkeit."
Sprecher: Ralf Peters

Musikalische Intermezzi
mit kammermusikalischen Improvisationen von Norbert Rodenkirchen (Renaissance-Flöten) und Claudio Puntin (Klarinette)

Der Eintritt ist kostenfrei in Verbindung mit der Eintrittskarte zur Ausstellung. Teilnahmekarten sind am Tag der Veranstaltung an der Information im Foyer erhältlich. Reservierung in begrenzter Anzahl beim Pädagogischen Dienst: Telefon 0228 / 9171-291



Montag, 11. Januar 22.45 Uhr in 3sat
Der Film zur Ausstellung im Fernsehen
"Vom Geist der Gottheit angeweht ..."

Die Hochrenaissance im Vatikan Rom, 1525: zum Heiligen Jahr sind weniger Pilger nach Rom gekommen. In der Stadt wütet die Pest, in Italien der Krieg zwischen Franz I. von Frankreich und Karl V. Wer die beschwerliche Reise trotzdem wagt, kann aber in den Palästen von Papst Clemens VII. die Wunderwerke der Hochrenaissance sehen, die unter Papst Julius II. und Leo X. entstanden sind: der Hof mit den antiken Statuen, die von Raffael ausgemalten päpstlichen Gemächer, die Bibliothek oder Michelangelos Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle ... Autor Bernhard Pfletschinger bietet einen außergewöhnlichen Besuch in den Museen des Vatikans an - in einer Zeit des Umbruchs nach Vollendung der italienischen Renaissance.



Mittwoch, 20. Januar, 19 Uhr
Literarische Audienzen
Lesungen mit musikalischen Intermezzi in der Ausstellung


Ingeborg Bachmann
Was ich in Rom sah und hörte

Seitdem sie 1953 den "Preis der Gruppe 47" verliehen bekommen hat, gehört Ingeborg Bachmann (1926 - 1973) zu den meistbeachteten Figuren der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Nach der Promotion in Philosophie arbeitete sie als Redakteurin und lebte dann als freie Schriftstellerin von 1953 bis 1957 in Italien: auf der Insel Ischia, in Neapel und Rom. Der Text Was ich in Rom sah und hörte wurde 1955 in "Akzente. Zeitschrift für Dichtung" erstveröffentlicht.
Sprecherin: Agnes Pollner

Luigi Malerba
Die nackten Masken

Luigi Malerba (geb. 1927) war Mitbegründer der "Gruppe 63" und ist heute einer der bedeutendsten Autoren der italienischen Gegenwartsliteratur. 1995 erschienen sein historischer Kriminalroman Die nackten Masken, der im Rom der Hochrenaissance spielt und voller Anspielungen auf die derzeitigen politischen Verhältnisse in Italien ist. In seiner großartigen Erzählung schildert Malerba die Situation nach dem Tod des Medici-Papstes Leo X. (1513 - 1521), der einer der schillernsten Herrscher im Vatikan und der große Gegner Luthers war. Ratlos wählen die zerstrittenen Kardinäle in Rom einen asketischen Flamen in Abwesenheit als Hadrian VII. (1522 - 1523) zum neuen Papst.
Sprecher: Volker Risch

Musikalische Intermezzi
mit kammermusikalischen Improvisationen von Norbert Rodenkirchen (Renaissance-Flöten) und Claudio Puntin (Klarinette)
Der Eintritt ist kostenfrei in Verbindung mit der Eintrittskarte zur Ausstellung.



Freitag, 5. Februar, 20 Uhr
Alte Musik im Forum

in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in Bonn
Musica Vaticana I
POMERIUM

Das Ensemble POMERIUM, gegründet 1972 in New York, bezieht sich namentlich auf ein Musiktraktat des 14. Jahrhunderts. Formiert nach dem Vorbild der berühmten Dom- und Hofkapellchöre der Renaissance, hat das New Yorker Vokalensemble mit seinen Interpretationen von Du Fay, Ockeghem, Josquin, Lassus und Palestrina weltweit große Anerkennung gefunden. Unter der Leitung seines Gründers Alexander Blachly tritt POMERIUM regelmäßig in New York auf: im Metropolitan Museum of Art, The Cloisters, in der Morgan Library und bei Music before 1800 - sowie auf Tourneen durch die USA. In den letzten Jahren hat die Gruppe auch auf vielen internationalen Festivals gastiert, so zum Beispiel beim Holland Festival Oude Muziek Utrecht, dem Flanders Festival Antwerpen, bei den Tagen Alter Musik in Regensburg, beim New York's Lincoln Center Festival, dem Boston Early Music Festival und beim Festival di Musica Sacra Bolzano e Trento / Brixner Initiative. Für die Ausstellung Hochrenaissance im Vatikan (1503 - 1534). Kunst und Kultur im Rom der Päpste I hat POMERIUM in Zusammenarbeit mit den Vatikanischen Museen, der Biblioteca Apostolica Vaticana und der Kunst- und Ausstellungshalle eine Compact Disc mit dem Titel Musica Vaticana eingespielt, die im November 1998 erscheinen ist. Alexander Blachly ist seit 27 Jahren als Interpret und auch als Forscher im Bereich der Alten Musik aktiv. Nachdem ihm im Jahr 1992 der Noah Greenberg Award von der American Musicological Society verliehen worden war, übernahm er 1993 die Stelle des Leiters der Chormusik an der Universität von Notre Dame (Indiana). Zuvor hatte er bereits an der Columbia-Universität, der Rutgers-Universität und der Universität von Pennsylvania Alte Musik gelehrt und Collegia Musica geleitet. Seit über 15 Jahren führt er Sommer-Workshops zur A-cappella-Aufführung von Renaissance-Werken durch, die von der Syracuse Schola Cantorum (NY) unterstützt werden. Neben POMERIUM leitet Alexander Blachly den University of Notre Dame Chorale.

Das Programm:
Plainchant: Rex pacificus
Josquin Desprez: Benedicta es, coelorum regina
Andreas de Silva: Omnis pulchritudo domini
Jean Mouton: Tua es potentia
Costanzo Festa: Conditor alme siderum
Josquin Desprez: Virgo salutiferi
Elzéar Genet: Salve regina
Juan Escribando: Magnificat sexti toni
Costanzo Festa: Inviolata, integra et casta Pater noster / Ave Maria
Adrian Willaert: Enixa est puerpera

Eintritt: 16,- / 23,- DM (zzgl. VVK-Gebühren) 19,- / 27,- DM (Abendkasse)

Mit dem Sonderabonnement A offeriert die Kunst- und Ausstellungshalle ein Sammelticket für die drei Konzerte Musica Vaticana I - III zum Preis von 35,- / 50,- DM. Das Sonderabonnement B zum Preis von 60,- / 75,- DM enthält zusätzlich die CD Musica Vaticana. Beide Sonderabonnements sind in einer geschmackvollen Geschenkhülle erhältlich und bieten sich als ideales Präsent für Musikliebhaber an.



Mittwoch, 10. Februar, 19 Uhr
Literarische Audienzen Lesungen mit musikalischen Intermezzi in der Ausstellung


"... die Augen ein wenig zu öffnen"
Johann Joachim Winckelmann
Von edler Einfalt und stiller Größe

1755 erschienen in Dresden von J. J. Winckelmann (1717 - 1768) die Gedanken über die Nachahmung der griechischen Kunst, deren Wesen er in "edler Einfalt und stiller Größe" erkannte. Anlaß für seine viel beachtete Schrift war die Betrachtung des Raffael-Gemäldes Sixtinische Madonna, die sich seit 1753 in Dresden befand. Nach seiner Konversion zum Katholizismus ging er als Archäologe mit einem königlichen Stipendium versehen nach Rom, wo er anfangs als Bibliothekar verschiedener Kardinäle tätig war und seit 1763 als Präsident der Altertümer und Scriptor der Vatikanischen Bibliothek wirkte. Winckelmann gilt durch sein Hauptwerk Geschichte der Kunst des Altertums von 1764 als Gründer der neueren Archäologie und modernen vergleichenden Kunstgeschichte. Gelesen werden Passagen aus und Kommentare zu seinen Werken, die sich auf Ausstellungsstücke beziehen.

Johann Wolfgang von Goethe
Auch ich in Arkadien !

Auf seinen Reisen in Italien studierte Goethe (1749 - 1832) nicht nur Kunst und Kultur, sondern auch Landschaft und Volkscharakter sowie die Flora und Fauna, Gesteine, das Wetter u.v.m.. Indem er zeichnete und beobachtete, wurden ihm an den Erscheinungen der Kunst, der menschlichen Gestalt und der Natur die einfachen "Urformen" und "Urphänomene" bewußt, die allem Lebendigen und Gestalthaften zugrunde liegen. Goethes dreibändige Italienische Reise ist ein Lebenswerk, das sich aus sehr unmittelbaren Aufzeichnungen (Briefe und Tagebücher), virtuos gestalteter Redaktion für die Bände 1und 2 (1816/1817) sowie bruchstückartigen Erinnerungen für den dritten Band (1829) zusammensetzt.

Johann Gottfried Herder
So bin auch ich ein Stummer

Der Schriftsteller, Philosoph und Theologe J. G. Herder (1744 - 1803) brach zwei Monate nach der Rückkehr seines Freundes Goethe aus Rom im Sommer 1788 von Weimar in das Sehnsuchtsland Italien auf. Seine Briefe und Tagebuchaufzeichnungen 1788 - 1789 finden weder Goethes "Arkadien" noch die persönliche Bereicherung, vielmehr wird Herders Italienische Reise zum Beispiel einer kritschen, illusionslosen Italienerfahrung. "Wenn ich zeichnen könnte, dünkte ich mich in dieser hohen Göttergesellschaft noch einmal so viel; ... so bin auch ich ein Stummer, weil diese Dinge sich nicht durch Worte, sondern durch Linien und Formen allein ausdrücken lassen."
Sprecher: Leo Reinirkens

Musikalische Intermezzi
Goethe-Lieder von Carl Friedrich Zelter, Johann Friedrich Reichardt und Franz Schubert. Dorothea Rauscher (Gesang), Reinhild Kappenstein (Klavier)

Der Eintritt ist kostenfrei in Verbindung mit der Eintrittskarte zur Ausstellung. Weitere Informationen siehe Veranstaltung am 6. Januar



Freitag, 26. Februar, 20 Uhr
Alte Musik im Forum Musica Vaticana II
CURRENDE

Das belgische Vokalensemble CURRENDE wurde 1974 von Erik van Nevel gegründet und besteht aus Sängern der Spitzenklasse. Je nach stilistischen Ansprüchen des Programms singen zwölf bis zwanzig Vokalisten zusammen. Eine lebhafte Ausführung, basierend auf gründlicher Analyse der Stücke, sowie eine expressive Diktion sind die deutlichsten Merkmale des Ensembles. Das Repertoire umfaßt sowohl die polyphonen Stücke des 16. Jahrhunderts als auch Werke des Barocks und der Klassik. Nachdem der Chor ein beträchtliches internationales Ansehen erlangt hat, zieht er immer häufiger die Aufmerksamkeit von Konzertorganisatoren und Gastdirigenten auf sich. So ist CURRENDE schon von Jos van Immersel, Sigiswald Kuijken und René Jacobs dirigiert worden und in Deutschland, Japan, Schweden, Italien, Frankreich und Spanien aufgetreten. Der weltweite Ruf des Ensembles dokumentiert sich auch durch zahlreiche Aufnahmen und Einspielungen sowie durch Live-Übertragungen im Rundfunk und im Fernsehen. In den Jahren 1994 und 1995 wurde CURRENDE der Titel "Kultureller Botschafter von Flandern" verliehen. Erik van Nevel erhielt am Lemmens-Institut in Leuwen und an den Königlichen Akademien von Brüssel und Antwerpen sowohl eine stimmliche als auch eine instrumentale Ausbildung. Zudem besuchte er Meisterklassen in Großbritannien, Deutschland und in den Niederlanden. Neben CURRENDE leitet Erik van Nevel die Capella Sancti Michaelis an der Kathedrale in Brüssel. Darüber hinaus ist er Dozent für Chorleitung und historische Aufführungspraxis am Lemmens-Institut in Leuwen und leitet Meisterklassen im In- und Ausland.

Das Programm:
Johannes Lupus: In convertendo
Andreas de Silva: In illo tempore
Adrian Willaert: Saluto te
Jean Mouton: Miseremini , Salva nos
Bruhier: Ecce panis
Agricola: Magnificat
Antoine de Févin: Gloria aus Missa mente tota
Antoine Brumel: Kyrie-(Credo)-Sanctus & Agnus Dei aus Missa descendi in hortum
Anonymus: Salve Regina

Eintritt: 16,- / 23,- DM (zzgl. VVK-Gebühr) 19,- / 27,- DM (Abendkasse) (Nähere Informationen siehe Konzert Musica Vaticana I am 5. Februar)



Mittwoch, 3. März, 19 Uhr
Literarische Audienzen
Lesungen mit musikalischen Intermezzi in der Ausstellung
Kunst und Kultur in Rom


Felix Mendelssohn Bartholdy
Vatikan; denkt, was das für ein großes Wort ist!

Der junge Komponist unternahm zwischen 1830 und 1831 eine längere Reise nach Italien, die ihn über Weimar, Wien, Venedig und Florenz auch nach Rom führte, wo er sich für einige Zeit niederließ. Seine Eindrücke und Begegnungen hat er im Reisetagebuch festgehalten und berichtet seiner Familie regelmäßig in ausführlichen, sehr unterhaltsamen Briefen über sein Leben und Wirken in Rom.

Ferdinand Gregorovius
Dies Rom ist eine wunderliche Figurenwelt

Ursprünglich war Gregorovius (1821 - 1891) als Journalist und Autor politisch-satirischer Dichtungen und Romane tätig, bevor er sich 1852 entschloß, als Kulturhistoriker nach Italien zu gehen, das zu seiner zweiten Heimat wurde. Seine historischen Darstellungen der Kunst und Kultur Italiens nach einzelnen Landschaften sind in ihrer Frische und Intensität an Wissensreichtum nur mit denen von Jacob Burckhardt vergleichbar. Gregorovius gab seinem zwischen 1870 und 1882 entstandenen Werk Wanderjahre in Italien den erläuternden Untertitel: Figuren, Geschichte, Leben und Szenerie aus Italien.

Jacob Burckhardt
Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens

Im Gegensatz zu Gregorovius gibt Jacob Burckhardt (1818 - 1897) in seinem Cicerone (1855) einen nach den Kunstgattungen "Architektur mit Inbegriff der Dekoration, Skulptur und Malerei" von der Antike bis zum Barock chronologisch systematisierten Überblick der Kunstentwicklung, der nicht nur Italien berücksichtigt. Der Cicerone gehört ebenso wie Die Kultur der Renaissance in Italien von Burckhardt zu den klassischen Beispielen der kulturhistorischen Literatur und der auf Anschauung ausgerichteten vergleichenden Kunstwissenschaft. Burckhardt darf insofern mit Gregorovius verglichen werden, als sich sein Italienbild zunächst unter dem Einfluß der Eichendorffschen Gedichte und Italiennovellen formte und sich in eigenen dichterischen Versuchen niederschlug, bevor er zu seiner eigenständigen kultur- und kunsthistorischen Darstellungsweise gelangte.
Sprecher: Leo Reinirkens

Musikalische Intermezzi
Lieder zur Italiensehnsucht von Fanny Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Hugo Wolf. Dorothea Rauscher (Gesang), Reinhild Kappenstein (Klavier)

Der Eintritt ist kostenfrei in Verbindung mit der Eintrittskarte zur Ausstellung.



Freitag, 12. März, 20 Uhr
Alte Musik im Forum
Musica Vaticana III
LA COLOMBINA

Das Ensemble LA COLOMBINA wurde im November 1990 von vier Sängerinnen und Sängern gegründet, die zu diesem Zeitpunkt bereits angesehene Solisten waren und deren Wege sich immer wieder bei verschiedenen Produktionen gekreuzt hatten. Der Name des Ensembles leitet sich von einer Musiksammlung des ausgehenden 15. Jahrhunderts ab, die in der Colombina-Bibliothek in Sevilla aufbewahrt wird. Das kosmopolitische Ensemble mit stark romanischem Einschlag und Sitz in Frankreich besteht aus einer Argentinierin, einem Italiener und zwei Katalanen. LA COLOMBINA widmet sich der kirchlichen ebenso wie der profanen Musik der Renaissance und des beginnenden Barocks, zumeist a capella. Obwohl im Lieblingsrepertoire des Ensembles der hispanophone Charakter dominiert, gilt sein Engagement gleichfalls der französischen und italienischen Musik. Seit seiner Gründung absolvierte LA COLOMBINA neben einem regelmäßigen Studioprogramm Konzerte in Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, den Niederlanden und Israel. María Cristina Kiehr (Sopran) hat in ihrem Geburtsland Argentinien und danach in der Schola Cantorum Basiliensis in Basel Violine und Gesang studiert und wurde unter anderem von René Jacobs und Eva Kraznaï ausgebildet. Seither hat sie eine steile Karriere als Solistin - im Konzert ebenso wie im Tonstudio - durch ganz Europa, Japan und Australien geführt. Claudio Cavina (Alt) absolvierte sein Studium zunächst in Bologna bei Candice Smith, dann bei Kurt Widmer in Basel sowie bei Cristina Miatello. Mit Ensembles wie Huelgas Ensemble Löwen, Concerto Italiano, Le Parlement en Musique und Al Ayre Español trat er bei den bedeutendsten europäischen Festivals auf. Er wirkte an rund 40 Studioaufnahmen mit, die von der internationalen Kritik begeistert aufgenommen wurden. Claudio Cavina unterrichtet Gesang in den internationalen Kursen von Urbino und Belluno in Italien. Josep Benet (Tenor) war zunächst Sopranist an der Escoliana von Monserrat in Katalonien. Danach studierte er Theorie, Piano und Violine am Conservatorio Superior in Barcelona sowie Gesang bei Jordi Albareda und erwarb anschließend die Meisterschaft an der Hochschule für Musik in München. Seither hört man ihn als Solisten in internationalen Ensembles und Orchestern, auf Festivals und auf zahlreichen Tonträgern. Sein Repertoire erstreckt sich vom Mittelalter bis hin zu den klassischen Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Strawinsky, Britten oder Berio. Josep Cabré (Bariton) war Schüler von Christopher Schmidt in Basel und studierte Gesang bei Jordi Albareda in seiner Geburtsstadt Barcelona. Er wirkte in namhaften Ensembles in Europa und Mexiko mit und erwarb sich ein Repertoire vom Mittelalter bis zum Barock, aber auch der zeitgenössischen Musik. Er ist darüber hinaus Gründer und musikalischer Direktor der Compañía Musical de las Américas in Mexiko und Gastdirektor der Capilla Peñaflorida in San Sebastian.
Eintritt: 16,- / 23,- DM (zzgl. VVK-Gebühren) 19,- / 27,- DM (Abendkasse) (Nähere Informationen siehe Konzert Musica Vaticana I am 5. Februar)



Mittwoch, 17. März, 19 Uhr
Literarische Audienzen
Lesungen mit musikalischen Intermezzi in der Ausstellung
Ein Nashorn für den Papst


Godiamoci il papato, perché Dio ce l'ha dato
"Laßt uns das Papsttum genießen, da es uns von Gott verliehen wurde" (Rendina 614), schrieb Leo X. an seinen Bruder Julian nach seiner Wahl zum Papst. Einige ausgewählte Zitate aus zeitgenössischen Quellen sollen ein buntes Bild vom Leben und Treiben im Rom der Hochrenaissance entstehen lassen.

Lawrence Norfolk
Ein Nashorn für den Papst

Im Jahre des Herrn 1516 sank vor der italienischen Küste ein Schiff, das vom indischen Königreich Gujarat in See gestochen war, um dem Papst ein Nashorn zu überbringen. Die Geschichte dieser wahren Begebenheit dient Lawrence Norfolk (geb. 1963) als Spiegel der Phantasien und Obsessionen einer krisenhaften Zeit. Wie schon in seinem Erfolgsroman Lemprière's Wörterbuch entwirft Norfolk ein akribisch recherchiertes Sittengemälde der Zeit seiner Erzählung, in der nicht nur die Frage gestellt wird, in welchem Zusammenhang eine Unpäßlichkeit des Giovanni de Medici mit der Papstwahl Leo X. steht oder warum Albrecht Dürer dem Nashorn in seinem Holzschnitt von 1515 ein erfundenes Horn auf den Nacken gesetzt hat.
Sprecher: Karlheinz Tafel

Musikalische Intermezzi
Weltliche Musik aus dem Vatikan der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Jacques Arcadelt, Costanzo Festa, Bernado Pisano und Philippe Verdelot Michael Dücker (Laute), Kai Wessel (Gesang)

Der Eintritt ist kostenfrei in Verbindung mit der Eintrittskarte zur Ausstellung. Weitere Informationen siehe Veranstaltung am 6. Januar



Mittwoch, 31. März, 19 Uhr
Literarische Audienzen
Lesungen mit musikalischen Intermezzi in der Ausstellung
Die scharlachrote Stadt


Mars fuit; est Pallas; Cypria semper ero
"Mars hat geherrscht; Pallas ist ihm gefolgt; stets herrschen wird Venus" lautet ein Epigramm mit Anspielung auf die Päpste Julius II. und Leo X. Einige ausgewählte Zitate aus zeitgenössischen Quellen sollen ein buntes Bild vom Leben und Treiben im Rom der Hochrenaissance entstehen lassen.

Hella S. Haasse
Die scharlachrote Stadt

Erzählt wird von Hella S. Haasse (geb. 1918) die Geschichte von Giovanni Borgia, der als Sproß einer der bedeutendsten Familien der Renaissance in Italien die Aufgabe eines Redenschreibers am päpstlichen Hof im Vatikan übernimmt. Die scharlachrote Stadt wird nicht nur Ort der Begegnung mit seiner eigenen Herkunft sondern auch mit einigen seiner berühmtesten Zeitgenossen: dem Schöpfer der Fresken in der Sixtinischen Kapelle Michelangelo Buonarotti, dem Politiker und Philosophen Niccolò Machiavelli und dem Verfasser der Kurtisanengespräche Pietro Aretino. Vermittelt durch die persönliche Geschichte des Romanhelden können sich die Zuhörer in das Spannungsfeld von italienischen Adelsfamilien und Papsttum zur Zeit der Hochrenaissance versetzt fühlen.
Sprecherin: Heike Bänsch

Musikalische Intermezzi
Weltliche Musik aus dem Vatikan der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts) von Jacques Arcadelt, Costanzo Festa, Bernado Pisano und Philippe Verdelot Michael Dücker (Laute), Kai Wessel (Gesang)

Der Eintritt ist kostenfrei in Verbindung mit der Eintrittskarte zur Ausstellung. Weitere Informationen siehe Veranstaltung am 6. Januar

Matteo da Milano (u.a.)
(Miniaturen)
Graduale des Kapitels
von S. Maria Maggiore
um 1512-1513
Manuscipt
© Biblioteca Apostolica Vaticana

Giulio Romano
Papst Leo X.
© The Duke of Devonshire
and the Trustees of
the Chatsworth Settlement

Pieter van Aelst
nach Entwurf Raffaels
Der wunderbare Fischzug
1515 – 1519
© Vatikan, Musei Vaticani

Raffael
Bildnis des Andrea Navagero
und Agostino Beazzano, 1516
© Rom, Arti Doria Pamphilj
 

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