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.Museu Nacional de Arte Antiga, Lissabon

 
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Hans Memling
Jungfrau mit Kind
2. Hälfte 15. Jh.
© Divisão de Documentação
Fotográfica do Insituto
Português de Museus



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Unbekannter Meister
Porträt eines
unbekannten Edelmannes
16. Jh.
© Divisão de Documentação
Fotográfica do Insituto
Português de Museus



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Albrecht Dürer
Der hl. Hieronymus
1521
© Divisão de Documentação
Fotográfica do Insituto
Português de Museus





Pieter de Hooch
Fröhliche Gesellschaft
1663-1665
© Divisão de Documentação
Fotográfica do Insituto
Português de Museus

Museu Nacional de Arte Antiga, Lissabon
Die großen Sammlungen VIII.


26. März bis 11. Juli 1999



Der Katalog





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Odysseus soll sie gegründet haben, Lissabon, die weiße Stadt am Fluß. Noblesse oblige – Lissabon blieb den Meeren für immer verbunden. Von hier aus brachen Entdecker und Missionare, Kaufleute und Abenteurer zu neuen Ufern auf, und hier spürten sie bei ihrer Rückkehr wieder europäischen Boden unter den Füßen. Lissabon hat sich stets als Europas Tor zur Welt verstanden, ohne dabei die innereuropäischen Entwicklungen aus den Augen zu verlieren. Davon erzählt diese Ausstellung.

Eine Sammlung geht auf Reisen. Sie verläßt ihren hoch über dem Tejo gelegenen Palast mit den grünen Fenstern, denen das Museum seinen Beinamen "Museu das Janelas Verdes" verdankt, und zieht an den Rhein. Über 200 Objekte – Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen, Goldschmiedearbeiten und Textilien, Porzellan und Mobiliar – repräsentieren nicht nur die unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkte des Museums, sie laden ihrerseits zu einer Reise durch sieben Jahrhunderte europäischer Kunstgeschichte ein.

Die Entwicklung der Kunst in Portugal von der Romanik im 12. bis zur Romantik im 19. Jahrhundert vollzog sich stets im Dialog mit anderen europäischen Kulturzentren: Pilgerwege waren zugleich auch Handelswege, dynastische Verbindungen begünstigten den Austausch von Ideen und Kunstwerken, politische Allianzen beeinflußten den herrschenden Geschmack und die Auftragslage der Künstler. Die in Bonn gezeigten Werke von Frei Carlos, Gregório Lopes, Josefa de Obidos und Domingos António de Sequeira fügen sich in dieses lebendige Netzwerk selbstverständlich ein – neben Arbeiten von Piero della Francesca, Hans Memling, Albrecht Dürer, Francisco de Zurbarán und Raffael.

Auch andere Verbindungen werden sichtbar. Ein Gemälde zeigt das breite Flußufer vor dem Hieronymiten-Kloster in Belém: Hier nahmen die glorreichen portugiesischen Übersee-Expeditionen ihren Anfang. Das weitgespannte Beziehungsgeflecht, das Portugal über das Zeitalter der großen Entdeckungen hinaus mit den Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas verband, förderte den kulturellen Austausch zwischen diesen unterschiedlichen Zivilisationen – in der Ausstellung belegen mehrere außergewöhnliche Objekte diese äußerst fruchtbaren Wechselwirkungen.

Reise-Bilder, Geschichten, Begegnungen. Das prachtvolle Altarretabel der heiligen Aukta aus dem 16. Jahrhundert erzählt von der portugiesischen Jungfrau Aukta, die der heiligen Ursula nach Köln folgte, wo beide samt ihres Gefolges den Märtyrertod erlitten. Das von den kriegerischen Hunnen angerichtete Blutbad bot der Malerei noch Jahrhunderte später genügend eindrucksvolle Motive. Ein unbekannter portugiesischer Meister hat diesem grausamen Schauspiel die raffinierte Eleganz eines höfischen Ereignisses verliehen, ganz nach dem Geschmack der kunstsinnigen Königin Eleonore von Portugal.

Weniger dramatisch verlief eine andere "interkulturelle" Begegnung. In den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts standen sich Portugiesen und Japaner staunend gegenüber. Zeitgenössische japanische Künstler hielten die Ankunft der Ballon-Hosen tragenden "Langnasen" in einer Reihe beeindruckender Darstellungen auf papiernen Wandschirmen fest. Zwei dieser äußerst seltenen Objekte zählen zweifelsohne zu den Höhepunkten der Bonner Ausstellung.

Dialog und Gegenüberstellung sehr unterschiedlicher Kunstwerke bestimmen nicht nur die innere Struktur der zehn Ausstellungskapitel. Sie erlauben darüber hinaus eine epochen- und kulturübergreifende Betrachtung der Objekte, die sich zu einer eindrucksvollen Dokumentation der Sammelleidenschaft am westlichsten Zipfel Europas zusammenfügen.

Kuratoren:
Agnieszka Lulinska
José Luís Gordo Porfírio

email: Agnieszka Lulinska, Kuratorin
 

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