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![]() ![]() Das Studiolo in den Ausstellungsräumen Foto: S. Seifert |
Werkphotos 12 Fotografien von Jürgen Klauke und seinen Mitarbeitern bei der Arbeit am Werkkomplex "Desaströses Ich" (1996-2000) ausgestellt im Atrium Erdgeschoß Seit etwa 20 Jahren wurden die Fotozyklen von Jürgen Klauke in professionellen Foto-Ateliers inszeniert und enthalten außer Personen und Requisiten keine weiteren Hinweise auf die "Außenwelt". Ein neutraler, gleichmäßig beleuchteter Hintergrund, der oft bewußte Künstlichkeit ausstrahlt, bewirkt eine weitere Entfremdung von der Wirklichkeit. In jüngster Zeit erfährt das einzelne Bild wie z.B. im Werkkomplex "Desaströses Ich" durch Farbtönungen einen zusätzlichen Abstraktionsgrad. Mit Werkbüchern begann Klauke im Zuge der Inszenierung von "Formalisierung der Langeweile" die immer komplexere Dramaturgie seiner Fototableaus vorauszuplanen, nicht ohne daß im Atelier spontane Änderungen vorgenommen wurden, wenn es nötig erschien. Wurden frühe Arbeiten noch mit Selbstauslöser fotografiert, bediente sich Klauke bald darauf der Arbeitsmöglichkeiten großer Fotostudios, um sich ganz auf die Kontrolle der inszenatorischen oder darstellerischen Momente konzentrieren zu können. Nach Probeaufnahmen, die sich an der Figuren- und Objektkonstellation der Werkbücher orientieren, folgt die Umsetzung im Fotostudio. Die hier ausgestellten Arbeitsfotos dokumentieren die Arbeit an Bildkompositionen für den Werkkomplex "Desaströses Ich": Neben Jürgen Klauke als Darsteller sind mittlerweile professionelle Modelle getreten, die gecastet wurden und mit oft eigens für die Aufnahmen angefertigten Objekten interagieren. "Ich nutze den Fotoapparat - die Maschine - als Transport meiner Gedanken. Fotografien gibt es genug, überwiegend überflüssige - insofern kann man bei mir auch von Gegenfotos sprechen - gegen eine Flut von Reproduktionen, die so tun, als seien sie Wirklichkeit." Die Fotografie ist für den konzeptuellen Fotokünstler Jürgen Klauke autonomes, wenn auch in der Praxis nicht einziges Medium künstlerischer Aussagen. Er bedient sich zusätzlich verschiedener Ausdrucksformen wie Video, Zeichnung oder Performance. An zentraler Stelle steht aber die Nutzung der Fotografie, die kein Abbild der Realität darstellt, sondern der unmittelbaren Veranschaulichung von Ideen dient. Klaukes Vorstellungswelten vermitteln sich dabei nicht über das Einzelbild, sondern werden nur in einem komplexen Tableau oder einer längeren Bildsequenz erfahrbar. Es entstehen Gegenbilder zur Bild- und Reizüberflutung der Mediengesellschaft. |
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| Gummidrucke Jürgen Klauke Physiognomien, 1974 bez.: J. Klauke Performance 1974 3 Arbeiten aus einer 20teiligen Werkserie Gummidrucke und Prägung je 78 x 105 cm Der Gummidruck ist ein in Frankreich seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickeltes Edeldruckverfahren der Fotografie, das schwierig zu praktizieren, aber sehr kreativ zu nutzen ist. Dabei werden Papiere mit einer Schicht aus Dichromatsalzen verwendet, die gelöst sind in Gummiarabikum (aus der nordafrikanischen Gummiakazie gewonnener Milchsaft mit wasserbindender Wirkung). Bei der Belichtung im UV-Lichtkasten oder direkt im Sonnenlicht durch Kontaktverfahren oder Kontaktkopie wird diese Schicht durch Gerbung teilweise gehärtet. Die unbelichteten Schichtteile können dann mit Wasser ausgewaschen werden und die belichteten Stellen bleiben als Druckträger stehen. Durch Farbauftrag kann das Bild schliesslich auf Papier übertragen werden. Da sich ein Druckbogen mehrfach belichten und "entwicklen" lässt, können verschiedene Tonwerte sukzessive gedruckt werden bis hin zu einer Art Mehrfarbendruck. Das fertige Photo mit seinen zarten Töne kann wie Aquarell, Pastellzeichnung oder Temperamalerei wirken. Die Manipulierbarkeit des Bildträgers - z.B. Aquarellpapier, Packpapier, Motivtapete oder dick geschöpftes Büttenpapier - wie bei den drei Arbeiten von Klauke bietet zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Die großformatigen Gummidrucke gehen auf Bildmotive auf die Fotosequenzen "Physiognomien" von 1972-1974 zurück. Mit diesen Arbeiten unterläuft Klauke in der Selbstinszenierung gesellschaftlich normierte Rollenvorstellungen und Geschlechteridentitäten, um in der Folgezeit in seinem Oeuvre immer mehr zu den Grundfragen der menschlichen Existenz vorzustoßen. |
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| Heliogravüre Jürgen Klauke Aus den Tageszeichnungen, 1973 / 74 Heliogravüren und Aquatinta Blattmaß je ca. 32 x 40 cm Heliogravüren, in kleiner Auflage an der Radierpresse abgezogen, faszinieren durch samtene Schwärzen und Schatten mit weichsten Übergängen zu den lichten Partien durch ihre ausdrucksvollen Tonwerte. Sie sind nicht nur von den frühen Edeldruckverfahren des Buchdrucks mit Kunstreproduktionen sowie der Kunstfotografie nach 1900 bekannt, sondern vor allem von den per Heliogravüre-Technik gedruckten Fotografien in der legendären Zeitschrift "Camera Work", die der berühmte amerikanische Fotograf Alfred Stieglitz zwischen 1903 und 1917 herausgab. Damit hatte er größten Einfluß auf die Entwicklung der Fotografie und der modernen Kunst in den USA und trug dazu bei, nicht nur der Fotografie, sondern auch der Heliogravüre die Anerkennung als eigenständiges künstlerisches Medium zu verschaffen. Die Heliogravüre sucht den künstlerisch arbeitenden Fotografen als Fotografiker. Heliogravüren entstehen zumeist in Zusammenarbeit eines Künstlers mit einem Fotografen und fachlich spezialisierten Handwerkern. Sie zählen zur Druckgrafik und werden bei wesentlicher Einwirkung des Künstlers sogar als originale Künstlergrafik angesehen. Heliogravüre (griech. helios = Sonne), bisweilen auch Photogravüre (griech. photos = Licht) genannt, seltener Chemigravüre, ist als Technik ein manuelles Tiefdruckverfahren. Die dafür erforderliche Druckplatte wird ähnlich wie die für die Aquatinta-Radierung hergestellt unter Verwendung eines durch Aufschmelzen von feinstem Asphaltstaub präparierten Kupferblechs im Format des zu druckenden Blattes. In der Art der Bildübertragung auf die Druckplatte unterscheiden sich jedoch die verwandten Techniken: handmechanisch bei der Aquatinta, fotochemisch bei der Heliogravüre. Der gesamte Prozeß bleibt dem Gestaltungswillen des Künstlers unterworfen. Der Künstler kann auch die daran anschließende Ätzung im Eisenchlorid-Bad kontrollieren und beliebig manipulieren, mit der er die Druckplatte für den Druckvorgang an der Tiefdruckpresse vorbereitet. Der Vorgang der Ätzung mit Säure ist bei Aquatinta und Heliogravüre gleich. Nach dem Ätzen zeigen sich auf der Druckplatte die Lineaturen und Flächen, die insgesamt das Bild aufbauen, als vertiefte Partien, die beim Drucken die Druckfarbe aufnehmen und wieder an das Papier abgeben. Bildvorlage für eine Heliogravüre ist immer ein Foto, meistens ein Schwarz-Weiß-Negativ, kontrastreich und von bester technischer Qualität. Davon wird ein Halbtonfilm gezogen, ein Halbton-Diapositiv. Unter diesem Diapositiv wird lichtempfindliches Pigmentpapier belichtet. Es handelt sich dabei um ein Papier mit einer Schicht Gelatine, die mit einem feinen rotbraunen Pigment gefärbt ist. Das belichtete Pigmentpapier wird einige Minuten in kaltes Wasser gelegt. Sobald es anfängt, weich und schmiegsam zu werden, wird es mit der Gelatineseite nach unten auf eine vorher präparierte Aquatinta-Platte aufgequetscht. Die Platte kommt dann in warmes Wasser. Dabei löst sich nicht nur das Papier auf, sondern dabei werden außerdem alle unbelichteten Partien der Gelatineschicht aufgelöst und durch sanftes Schaukeln des Wassers weggespült. Schließlich bleibt auf der Aquatinta-Platte ein zartes Relief aus belichteter chromatisierter Gelatine zurück. Anschließend wird die Platte in mehreren Arbeitsgängen geätzt, wobei nacheinander Ätzbäder unterschiedlicher Säurekonzentration (Eisenchlorid-Lösungen) benutzt werden. Die Lösung dringt zuerst durch die dünnen Schichten des Reliefs. An diesen Stellen ätzt sie das Kupfer am tiefsten. Nach und nach durchdringt die Lösung die jeweils nächste dünnere Reliefschicht. Immer mehr Partien werden von der Ätzung erfaßt, und so zeichnen sich die Lineaturen und Flächen des zu druckenden Bildes auf der Platte nach und nach immer mehr ab. Sie treten als wie in das Metall eingravierte Vertiefungen in Erscheinung. Der unterschiedlichen Tiefe der Ätzung entspricht der Reichtum an Tonabstufungen, der sich an der gedruckten Heliogravüre zeigen wird. Ist der Ätzprozeß abgeschlossen, wird die Platte abgewaschen und ein Probeabzug hergestellt. Noch sind Korrekturen und Retuschen möglich. Ist die Platte fehlerfrei und hat sie die gewünschte Ausdruckskraft und Tiefe, wird die Auflage gedruckt. Für den Druck größerer Auflagen, ab etwa zehn Abdrucken, muß die Platte verstählt werden. Die feinkörnige Oberfläche der Platte würde der Belastung durch das Drucken einer größeren Anzahl von Blättern nicht standhalten. Die Heliogravüre ist so alt wie die Fotografie und gleichzeitig Vorläuferin des modernen, industriellen Kupfertiefdrucks. Der schottische Forscher Mungo Ponton und der tschechische Maler Karel Klic entwickelten unabhängig voneinander eine Methode, Diapositive mit Hilfe lichtempfindlicher Gelatine auf eine Druckplatte zu übertragen. 1839 publizierte Mungo Ponton die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit über die Wirkung der lichtempfindlichen Kaliumbichromat-Lösungen auf organische Stoffe wie z. B. Gelatine und Eiweiß. Er fand heraus, daß sich Chromgelatine (mit Chromsäure sensibilisierte Gelatine) besonders dadurch auszeichnet: Erstens quillt sie nicht in kaltem Wasser, zweitens ist sie in heißem Wasser nicht mehr löslich, und drittens ist sie zwar in durchnäßtem, nicht jedoch in trockenem Zustand resistent Säuren. Auf dieser Entdeckung beruht das Prinzip der Bilderzeugung bei der Heliogravüre. Karel Klic entwickelte 1879 aus diesen Erkenntnissen seine "Klicotypie"-Heliogravüren. Die hier ausgestellten Heliogravüren von Jürgen Klauke entstanden nach Motiven früher Fotoarbeiten wie "Verschleierungen" oder "Physiognomien" aus den Jahren 1972-1975 (siehe auch die Gummidrucke in diesem Raum), die im Zusammenhang mit den "Tageszeichnungen" stehen. Sie belegen Klaukes Interesse an künstlerischen Verfahren in der Wechselwirkung von Grafik und Fotografie, die den bekannten Motiven einen völlig neuen Ausdruckscharakter verleihen. Die im Studiolo in der Vitrine in einer als Künstlerbuch gebundenen Form ausgestellten Aquatinta-Grafikblätter sind nach den "Tageszeichnungen" von 1973/74, einem 40-seitigen Buch mit Tuschzeichnungen auf Papier, entstanden. Eine verwandte Arbeit ist das Künstlertagebuch "Ich und Ich (Tageszeichnungen & Fotos), Dinge, Situationen, Umgebungen Okt. 70 - Febr. 71", das mit Zeichnungen und Polaroids 1972 publiziert wurde. Die Aquatinta bezeichnen erneut einen reichhaltigen Fundus von Ideen und persönlichen Erlebnissen als Ausgangspunkt künstlerischer Untersuchungen über den Zusammenhang von Wort / Schrift und Bild / Foto, wie sie später noch in dem kreativen Verhältnis von Werktitel und Fotoarbeit, wie z.B. "Das menschliche Antlitz im Spiegel soziologisch-nervöser Prozesse" von 1976, fruchtbar werden. Studiolo-Texttafeln: Hanns-Ulrich Mette (Leiter Pädagogischer Dienst) mit Peter Daners (wissenschaftlicher Mitarbeiter) |
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