![]() Jäger der E'ñepa. Foto: Marie-Claude Mattéi- Müller ![]() Heilige Fledermaus. Foto: Peter Oszvald ![]() Federbüschel zum Einstecken in Oberarmbänder. Foto: Peter Oszvald ![]() Eine Gemeinschaftshütte der Indianer-Gesellschaft E'ñepa. Foto: Marie-Claude Mattéi- Müller |
Indianische Gesellschaften aus Venezuela Die Sammlung Cisneros 6. August 1999 bis 19. März 2000
![]() ![]() Mit der Ausstellung Orinoko - Parima wird die in Caracas beheimatete Sammlung Gustavo und Patricia Cisneros erstmalig der europäischen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Sammlung umfaßt einen reichhaltigen Bestand an Alltagsgegenständen von zwölf indianischen Gesellschaften aus den südvenezolanischen Bundesstaaten Amazonas und Bolívar: den De'áruwa, Ye'kuana, Yanomami, Híwi, E`ñepa, Wakuénai, Baniwa, Baré, Puinave, Warekena, Piapoco und den Hodï. Fast fünf Jahrhunderte lang war Amazonien mit seinem grenzenlosen Dschungel und dem schier unermeßlichen Netz von Wasserwegen in Europa ein unbekannter Weltteil. Feindselig und abweisend in seiner fremdartigen Unberührtheit, reizte er manchen Eroberer, auf der Suche nach verborgenen Schätzen in das Landesinnere vorzustoßen. Heute wissen wir, daß große Teile Amazoniens Kulturlandschaften darstellen, die jahrtausendelang von den dort lebenden Menschen genutzt und geprägt wurden, deren Nachfahren auch heute noch das Gebiet zwischen dem Orinokofluß und dem Gebirgszug der Sierra Parima bevölkern. Dies ist die Gegend, in der man den legendären Parima-See vermutete, in dem El Dorado - der Goldmann - lebte. Einigen dieser Gesellschaften gelang es - trotz kolonialer Ausbeutung - ihre Identität zu bewahren, an ihren Traditionen festzuhalten und sich zugleich in einer selbstbestimmten Weise zu entwickeln. Erst 1950 wurde die Quelle des Orinokos entdeckt. Nicht lange danach wurde Edgardo González Niño aus der Hauptstadt in den Süden Venezuelas verbannt. In den Jahren, in denen die indianische Bevölkerung González Niño Asyl gewährte, trug er weit über tausend Objekte zusammen, die fast das ganze Repertoire der materiellen Kultur von zwölf venezolanischen Gesellschaften umfaßt. Er genoß großes Vertrauen bei den Indianern, die eigens für ihn Gegenstände herstellten, so daß kunstvolle Flechtarbeiten in ihrem Entstehungsprozeß gezeigt werden können. 1988 vertraute Edgardo González Niño seine Sammlung der Cisneros-Stiftung an, die sich der Bewahrung der lateinamerikanischen Kultur widmet. Die Sammlung wird seither in konservatorischer und wissenschaftlicher Hinsicht exzellent betreut und kontinuierlich um neue Stücke ergänzt. Die Ausstellung zeigt Masken, Kultobjekte, wie sie Schamanen verwenden, Schmuck, Kochgerät und Waffen. Die Originalität der Gegenstände liegt einerseits in ihrer optimalen Funktionalität, andererseits in ihrer besonderen handwerklichen Kunstfertigkeit und aussagestarken Bildersprache. Besondere Beachtung verdienen die farblich prachtvollen Federarbeiten. Modelle im Maßstab 1:100 zeigen Wohnstätten dieser Gesellschaften. Die Ausstellung umfaßt darüber hinaus zahlreiche Fotografien, die den Gebrauch der Gegenstände im Tagesablauf zeigen. Die Ausstellung wird durch Schlüsselthemen gegliedert, die über das Leben der Gesellschaften des Oberen Orinoko dargestellt werden: Entstehen, Werden, Nähren, Ordnen, Feiern, Heilen und Vergehen stellen Begriffe dar, zu denen sich Bezüge zum Alltagsleben - Familie, Fest, Wirtschaft, Schamanismus usw. - herstellen lassen. Die Struktur der Ausstellung läßt einen Lebensweg von der Geburt bis zum Tod entstehen. Neben ihrer praktischen Anwendung repräsentieren zahlreiche dieser indianischen Objekte soziale, magische und kosmische Prinzipien. ![]() The Cisneros Collection Website Ausstellungskuratoren Stephan Andreae Lelia Delgado Gabriele Herzog-Schröder email: Stephan Andreae, Kurator |
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