Vom
Wort zum Bild
Überall im antiken Griechenland war der Stoff der Sage vom Troianischen
Krieg Gemeingut, war der Kern des Mythos - der Krieg um Troia - unanzweifelbarer
Bestandteil einer gemeinsamen Geschichte. Der Sieg der Achaier war der Beweis,
dass Gemeinsamkeit stark machen konnte und die Götter wohlgesonnen waren.
Die Kinder lernten in der Schule aus der "Ilias", die Menschen zitierten
die Verse. Der Troianische Krieg war aber auch eines der großen Themen
der griechischen Kunst. Es war sicher kein Zufall, dass die frühesten bildlichen
Zeugnisse im Zeitalter der homerischen Epen einsetzten, im späten 8. Jahrhundert
v. Chr. Homer war damit auch der Impulsgeber für die künstlerische
Umsetzung des Stoffes. Die Künstler setzten sich mit ihm auseinander, fanden
immer neue Bilder. Sie gestalteten vor allem auch das, was die "Ilias"
nicht ausführt, sondern nur indirekt erzählt: die Szenen aus der Vorgeschichte
des Troianischen Krieges, den Tod des Achill und die Zerstörung Troias.

Die
Ilias lesen
Im 18. Jahrhundert werden Bilder und Bücher - und vor allem deren Maler
und Dichter - zu Gegenständen einer kultischen Verehrung. Man will zurück
zu den Ursprüngen, entdeckt in Homer den ersten Dichter und in der "Ilias"
den Anfang und Höhepunkt der Literatur. Die Sagen von Troia und deren Landschaft,
die man in Griechenland, Italien und der Türkei wiederzufinden glaubt,
werden zum Inbegriff einer idealen heroischen Zeit, in der die Kunst und die
Menschheit - gleichsam noch in den Kinderschuhen - ihre Vollkommenheit erreicht
haben. Man liest die "Ilias" im Original, versucht in der eigenen
Sprache Vergleichbares zu schaffen und nimmt sie auch in der bildenden Kunst
beim Wort. Satz für Satz entdecken die Künstler neue, bislang nicht
dargestellte und nicht darstellbare Motive. Und man beginnt damit, die "Ilias"
dort zu lesen, - "wo Achill focht, Ulyß reiste und Homer sang"
(Robert Wood).

Troia unendlich
Ein neues Troia nach Heinrich Schliemann. Vor Heinrich Schliemann war Troia
nur eine Sage. Während der Ausgrabungen nutzte er die Medien geschickt
und machte die Archäologie zum publikumswirksamen Abenteuer. Der Mythos
Troia verbindet sich mit der Ausgrabungsstätte zum Reiseziel, attraktiv
bis hin zum Massentourismus unserer Zeit.
Schliemann nennt seine Fundstücke phantasievoll "Schatz des Priamos"
oder "Becher des Nestor". Mit diesen Bezügen zur "Ilias"
schafft er einen neuen Mythos, von dem er selbst ein Teil ist. Dieser findet
breiten Widerhall in Oper, Kunst und den modernen Medien.
